Wir sind Menschen – noch….

Was für wunderbare Wesen sind wir Menschen. Wir können lieben und hassen, und mit der Leichtigkeit eines Chamäleons wechseln wir von einem Gefühl zum anderen. Wir können zerstören, schaffen und umwandeln. Wir haben sogar die Natur nach unseren Vorstellungen verändert und beeinflussen sie weiterhin ständig. So bleiben alle anderen irdischen Lebewe-sen hinter uns, wir beherrschen sie. Da wir die einzigen denkenden Wesen dieses Planeten sind, kann man uns als die Krönung der Schöpfung betrachten. Nicht wahr? Aber sind wir wirklich fertige Produkte der Evolution oder sind wir nur unvollkommene, halbbewusste Zwi-schenprodukte die gerade erwachen? Eher letzteres, denn Vollkommenheit ist nicht eine unse-rer Eigenschaften.
Unser Bewusstsein hebt uns über das Tierreich hinaus. Genauer: Die Tatsache, dass wir uns unserer Existenz bewusst sind, macht uns zum Menschen. Wir wissen, dass wir leben und wir können über unser Leben und über uns selbst reflektieren. Wir haben ein Ich-Bewusstsein. Aber wie verwenden wir unser Ich-Bewusstsein? Wie viel Kapazität hat dieses Bewusstsein? Wie breit oder eng, wie elastisch oder starr ist es? Sind wir fähig, dieses Bewusstsein zu be-reichern?Das menschliche Ich-Bewusstsein ist in Egozentrik eingebettet. Die Egozentrik ihrerseits ist mit all ihren Nachteilen wiederum in die nächste kleine Welt eingemauert. Die kleinste, engs-te, aber noch sehr harmlose Egozentrik ist der Lokalpatriotismus. Die nächste, bedeutend stärkere, vielleicht die stärkste und äußerst bindende Mauer ist der Nationalismus. Auch heute verursacht das nationale Bewusstsein auf allen Ebenen, lokal oder global, die größten Prob-leme unter den Menschen. Das nächste ist das kontinentale Bewusstsein, nachher das Rassen-bewusstsein. Der Mensch hat kein globales Weltbewusstsein, weil die oben genannten Kreise ihn so einengen, dass er vorläufig unfähig ist, sich zum Weltbewusstsein auszudehnen. Aus diesem Grund ist ein universales Bewusstsein, das uns das direkte, ständige Erleben des Ein-heitsgefühles mit allen irdischen Lebewesen mitteilen könnte, für uns unerreichbar. Es scheint eine Utopie zu sein.Der menschliche Verstand ist die Heimat unseres Bewusstseins. Aber die Hauptbeschäftigung des Verstandes ist das Denken und nicht das Erleben oder Bereichern des eigenen Seinsge-fühls. Abgesehen von dem kleinen Teil kreativen Denkens besteht der Hauptanteil des menschlichen Denkens aus spontanen, nicht kontrollierten, nicht systematisierten, geradezu chaotisch auftretenden Gedanken. Mit Hilfe dieses Denkens baut der Verstand sein Ego auf und lebt sein egozentrisches Leben. Dadurch entstehen einige wirklich nachteilige Eigen-schaften des Menschen: das Gefühl der Unersetzbarkeit, – voraus projizierte, vorgestellte To-desangst, – die Überzeugung, alles besser zu wissen, – eine alles und jeden kritisierende Hal-tung, – der Drang, Ratschläge in jeder Situation und für jeden zu erteilen, – die Erwartung und die daraus geborene Frustration, – Sentimentalismus und Beleidigtsein, – Zweifel, Verdacht, Eifersucht, Neid, – Rache und Hass bis zum Mord, – Selbstbeschuldigung und Selbsthass bis zum Selbstmord.Wir sind wirklich nicht am Ziel der Evolution angelangt. Der Mensch ist ein Zwischenpro-dukt, eine Treppe, auf der sehr wohl Bewusstsein erscheint, das aber durch den egozentri-schen menschlichen Verstand so stark eingeengt und in ein so enges Korsett gedrückt wird, dass das Bewusstsein während des Lebens, was seinen Fortschritt betrifft, manchmal eher nach unten als nach oben tendiert. Wir sind Menschen, also irren wir uns. Wir sind Menschen, also haben wir Fehler. Wir sind Menschen, also sind wir gegenüber uns selbst nachsichtig. Wir sind Menschen und deswegen können wir keine vollkommenen Wesen sein. Wir sind Menschen und keine göttliche Wesen. So lautet unsere menschliche Auffassung. Das Ziel des irdischen Lebens war und ist immer die Evolution. Wir müssen von unserer menschlichen Natur, wenn ihr so wollt – vom Menschsein, Abschied nehmen. Die Befreiung unseres Bewusstseins muss unser Hauptziel sein – die Befreiung unseres Bewusstseins von den Ketten des menschlichen Verstandes, von den Fesseln des menschlichen Egos. Wir müs-sen nicht nur mit den anderen irdischen Lebewesen leben, wir müssen füreinander leben. Das ist unsere einzige Rettung. Die nächste logische Stufe der Evolution ist die Überschreitung des Dualismus des menschlichen Verstandes, das heißt die Öffnung zu unserer Göttlichkeit. Wie könnten wir so ein Wesen nennen, das so etwas geschafft hat? Das weiß ich nicht und es ist auch nicht wichtig. Eines aber ist sicher: Der neue „Mensch” wird die Heimat für das uni-versale Bewusstsein sein.                          

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