Meditation

Wenn ich über Meditation schreibe, so schreibe ich keine Dissertation über die vielfältigen  Praktiken, die unter dem Namen Meditation laufen. Das mache ich deswegen nicht, weil ich mich da nicht auskenne. Ich kenne nur die Meditation von Sri Chinmoy, den Weg des Herzens. Ich habe gar nicht versucht, einen anderen Weg zu probieren, nicht einmal kennenzulernen, und zwar aus einem einfachen Grund: wenn man einen Brunnen findet, der genügend, sogar im Überfluss Wasser liefert, dann fängt man nicht an, einen neuen Brunnen zu graben. Das wäre eine absolut überflüssige Anstrengung. Was meinen Meditationsweg betrifft, kann ich Dinge schildern, die aus meiner Erfahrung stammen. Mein inneres Wesen und mein äußeres Wesen sind einmalig. So ist die Kommunikation zwischen beiden auch einmalig. Das gilt für uns alle. Deswegen sind auch unsere Meditationen einmalig. Das Prinzip ist gleich, die Einzelheiten sind aber verschieden.

Meditation ist im spirituellen Leben das Wichtigste. Ich kenne ich keine andere Methode, die fähig wäre, das hinter unserem Verstand befindliche „Ich" so schnell, aber trotzdem fein, schonend und reibungslos zu enthüllen. Dieser Prozess spielt sich wirklich auf so eine subtile Weise ab, dass wir meistens gar nicht fähig sind, ihn wahrzunehmen. Nur manchmal wird uns bewusst, dass ein neuer Teil, eine neue Fähigkeit, eine neue Empfänglichkeit in uns zum Vorschein kommt, die aber für uns nicht fremd ist. Sie ist neu, doch sie gehört uns. Die Meditation schält mit feinen, empfindlichen Händen, Schritt für Schritt, unser Bewusstsein aus den dicken, dunklen Krusten. So gesehen ist Meditation Bewusstseinserweiterung. Im Verlauf des Umwandlungsprozesses fühlen wir, dass wir uns verändert haben, dass wir anders, neu geworden sind. Aber später, wenn wir die Dinge global sehen und durchschauen können, erkennen wir, dass all diese Änderungen eigentlich zu uns gehören. Sie sind unser Eigentum, sie bilden unser Ich und deswegen fühlen wir uns mit ihnen und in ihnen richtig wohl.

Es ist so ähnlich wie bei Michelangelo, der über seinen großen Marmorstein sagte: „Ich werde David nicht aus diesem Marmor heraushauen, weil er schon im Stein enthalten ist. Meine Rolle ist nur, den Überschuss von ihm zu entfernen". Das ist die göttliche Schöpfung. Gott hat David im Stein versteckt und durch Michelangelo hat Er ihn auch befreit. Wir wissen, dass Michelangelo wie ein Besessener ohne Bemessungen, ohne Berechnungen von jeder beliebigen Seite seine Arbeit angefangen hat. Wenn er aber irgendeinem Teil der Skulptur nahe kam, hörte er sofort auf. Er enthüllte sehr schnell sein Kunstwerk, aber nie verletzte er es. Michelangelo war auf seinem Kunstgebiet ein Gottverwirklichter, weil er die göttliche Fähigkeit hatte, das Ergebnis seiner Schöpfung vorher zu sehen. Er hat also über göttliche Schau verfügt. So sind seine Werke vollkommen.

In unserem Beispiel sieht es folgendermaßen aus: Hier ist mein äußeres ich, der Marmorstein mit seiner groben Form und mit allen seinen Eigenschaften, die in vielen Inkarnationen durch körperliche, vitale und mentale Wünsche und durch den Kampf, diese Wünsche um jeden Preis zu realisieren, immer gröber und dicker geformt wurde. So wie durch den Meißel des Bildhauers David freigelegt wird, kann durch Meditation mein inneres „Ich“, das durch das äußere Ich verhüllt wird, entfaltet und zum Vorschein gebracht werden. Dies geschieht, indem der Überschuss an groben Eigenschaften und Fähigkeiten entfernt wird. Aber die Meditation entfernt in Wirklichkeit nur den bloßen Überschuss, ohne das Wesen zu verletzen. Der Bildhauer ist entweder Gott selbst oder ein Meister, der bereits göttliches Bewusstsein besitzt. Nur sie haben die Fähigkeit, unter der groben Kruste das fertige Werk, das innere „Ich“ zu sehen. So gesehen ist mein Meister ein Bildhauer, und Meditation ist das Werkzeug für seine Arbeit. Meine Rolle besteht darin, mich zu öffnen und  bereit zu machen und danach zu streben, mich modellieren zu lassen.

Wesentlich dabei ist, dass die Kraft der Meditation und der Strebsamkeit auf etwas gerichtet wird. Das gelingt mir aber nicht ohne Hilfe. Dies ist die eigentliche Rolle eines Meisters. Wenn man jedoch einen Meister erwählt hat, der unfähig ist, das zu tun (es kann natürlich auch vorkommen, dass er noch kein fertig ausgebildeter Bildhauer ist), auch dann geht die Kraft der Meditation und Strebsamkeit nicht wirklich verloren. Der Mensch strebt nach Gott, um das Göttliche zu erreichen, und natürlich wird Gott das honorieren. In diesem Fall kann der Wirkungsgrad des persönlichen Bemühens allerdings nicht das erreichen, was mit der Anleitung eines ausgebildeten Bildhauers, d.h. eines echten Meisters, zustande kommen kann. Viele große Meister haben sogar festgestellt, es sei zweifelsohne besser, einen unechten Meister zu haben als gar keinen. Man hat dann zumindest das Strebsamkeits-Leben begonnen.

Ich habe nicht zufällig geschrieben, dass ich mich für die Meditation in Bereitschaft setze. Man sagt zwar „ich meditiere, du meditierst" und so weiter, aber in Wahrheit wird die Meditation nicht von uns ausgeführt. Die Meditation ist ein innerer Prozess, der ohne unser Wissen abläuft, der Teile unseres Wesens durchströmt, durchwäscht und durchformt. Wir selbst erleben diesen Prozess als Stille. Gleichzeitig aber kommen in uns neue Gefühle auf, die man mit dem Wortschatz der menschlichen Sprache unmöglich beschreiben kann. Ich glaube, es ist einfach deswegen so, weil diese Gefühle im alltäglichen Leben unbekannt sind. Die Haupteigenschaften dieser Gefühle sind meistens Feinheit, Tiefe, Subtilität, Durchdringlichkeit, Samtigkeit, aber trotzdem keinesfalls Schwäche.

Etwas Anderes, das ich erwähnte, ist das Sich-modellieren-lassen. Ich lasse mich modellieren, indem ich die Änderungen, die sich durch die Entfernung der Kruste ergeben, akzeptiere. Wir sind kein Marmorstück. Wir sind Lebewesen, die zwar begrenzten, aber doch freien Willen besitzen. Verständlicherweise ist es viel, viel schwieriger, aus uns, statt aus einem Stück Stein einen „David" zu formen. Wir fühlen die Veränderung unseres Wesens, sobald ein Teil von uns geöffnet wird. Aber sehr oft ist es so, dass wir lieber unsere Kruste behalten, weil wir uns schon so an sie gewöhnt haben. Wir kennen sie und wissen, dass sie nicht vollkommen ist, aber was soll es, wir kommen mit ihr gut aus, wir lieben sie sogar, weil sie schließlich ein Teil unseres Ichs ist. Üblicherweise wollen wir sie nicht gegen das Neue eintauschen, und wir haben ein Recht auf sie. Nur mit unserem freien Willen können wir der Besitzer eines neuen Teils, eines neuen Bewusstseins werden. Also sollten wir mit den Änderungen rasch Freundschaft schließen, sie schnell akzeptieren können, sonst ist es aus. Sonst tritt Stagnation ein und nur ein Stück „David" wird fertig. Die Zurückhaltung und die Vorbehalte gegenüber dem Modellieren halten nur solange an, bis wir uns an den neuen Zustand gewöhnt haben. Und das geht eigentlich sehr schnell, wenn wir ihn einmal angenommen haben. Nachher wird das Neue das Bekannte, später das Alte, und wir würden es für nichts in der Welt gegen das Vorherige zurücktauschen, da wir es jetzt auf jeden Fall für besser halten.

Ich weiß nicht warum, aber ich habe diese Sache schon von Anfang des Weges an erkannt und wollte mich schnell, sehr schnell ändern. Es ist auch wahr, dass ich es auf jedem Gebiet bitter nötig hatte. Wenn ich eine Veränderung bemerkte, freute ich mich enorm und begann, innerlich meinen Meister anzuflehen, bitte schneller und noch schneller. Ich weiß nicht, ob das die Ursache war oder etwas Anderes, aber manchmal stellten sich Veränderungen in solcher Geschwindigkeit ein, dass ich bitten musste, das Tempo doch etwas zu drosseln, da ich es nicht mehr ertrug. So war es am Anfang. Später lernte ich, das Tempo meines Bildhauers zu akzeptieren, es war immer perfekt, nicht zu langsam, nicht zu schnell. Wenn ich dann einen neuen Zustand meines Ichs gefühlt habe, zum Beispiel, dass der Mensch, der ich im Moment bin, nicht der Mensch ist, der ich vor ein paar Monaten noch war, erfüllte mich das mit Freude und machte mir großen Spaß. Ich habe dann immer gesagt, ja, erst jetzt ist es wirklich interessant, jetzt zahlt es sich aus zu streben und zu meditieren, weil ich nun sehe, was ich aus dieser neuen Situation herausholen kann. Das ist der Grund, warum wir in der Meditation immer Anfänger sind. Wir sollen uns sogar bemühen jeden Tag Anfänger zu bleiben, damit wir die erreichte Situation als neues Sprungbrett betrachten, um höher und noch höher zu kommen. Außerdem haben wir als Anfänger viel mehr Disziplin als routinierter Fortgeschrittener, der schon weiß, wie der Hase läuft. Ich meditiere jetzt seit dreizehn Jahren, aber mein jetziger Bewusstseinszustand ist neu. In ihm habe ich noch nie meditiert, also bin ich wieder ein Anfänger, das ist die richtige Einstellung.

Mit Meditation kannst du aus dir einen neuen Menschen meißeln lassen. Derjenige, der sich nicht ändern will, weil er zufrieden und glücklich ist, so wie er ist, der vollkommen erfüllt ist von dem, was er hat und was er ist, braucht nicht zu meditieren. Es wäre schade um seine Zeit.

Die Meditation als Meißel ist natürlich im weitesten Sinn nicht so schnell wie der Meißel in der Hand von Michelangelo. Stellen wir uns das einmal vor, ein ganzes Leben lang werden wir in diesem Fall nur einen einzigen „David“ meißeln, besser gesagt meißeln lassen.  Selbst das ist noch nicht sicher. Es hängt davon ab, wie dick und dicht die zu entfernende Kruste ist, aber noch mehr, wie stark wir an der Kruste hängen. Wenn die freizulegenden inneren Teile noch unreif sind, können sie beschädigt werden. Es könnte sein, dass nur ein halber „David" oder nur seine Konturen fertig werden. In einem anderen Leben geht es dann weiter, und die schon fertigen Konturen garantieren den „David". Die Modellierfähigkeit der Meditation kann man eher mit etwas Weicherem vergleichen, nicht so sehr mit einem Metallmeißel, vielleicht eher mit Wasser. In der Höhle können wir sehen, dass das weiche Wasser den harten Stein mit der Zeit entsprechend der Kraft des Tropfens schön modelliert ohne ihn zu brechen, zu zerkratzen oder zu beschädigen. Genauso wirkt auch die Meditation, ohne zu verletzen und mit entsprechender Feinheit. Doch sie schafft etwas Bleibendes. Dazu braucht man natürlich einen guten Bildhauer, der die Kraftmenge perfekt dosieren kann, aber unsere Geduld ist auch unerlässlich. Wir müssen abwarten können. Wir dürfen nichts überstürzen, übereilen. Wir sollen nicht versuchen den Meißel zu führen. Man kann nicht mit Gewalt vorgehen. Echte Meditation ist gerade das Gegenteil von Gewalt. Da ist weder Platz für eigene Gewalt noch für Gewalt seitens des Meisters. Die eintretenden Veränderungen gehen auch nicht gewaltsam vor sich und können auch nicht durch gewaltsame Auflösung des freien Willens erzwungen werden. Die spirituelle Entwicklung ist nicht dogmatisch, sie ist individuell und sie erlaubt nicht nur, dass individuelle Erfahrungen gemacht werden, sondern sie braucht und gebraucht sie, um das äußere Ich zu überzeugen und zu führen. Die spirituelle Entwicklung ist kein mit Sünde und Sühne drohender Verhaltenskodex und keine zwanghafte, fanatische moralische Einstellung.

Die Neugestaltung unserer Eigenschaften

Durch die Meditation werden die Krusten, die uns bedecken, entfernt, wodurch die Eigenschaften unseres inneren Wesens in den Vordergrund treten können. Einerseits kommt es dadurch zu einer Verstärkung unserer schon vorhandenen, noch schwachen, unkonturierten göttlichen Eigenschaften, die auch immer besser erkennbar werden, anderseits erscheinen neue bzw. für uns noch nicht bekannte Eigenschaften. Gleichzeitig werden aber, was sehr wichtig ist, unsere negativen Eigenschaften ausgelöscht, und dies betrifft nicht nur jene, die uns bekannt sind, sondern auch jene, die in unserem Unterbewusstsein existieren und teilweise triebbedingt sind. Zum Beispiel sei hier unser teuerster Lebensgefährte erwähnt: die Angst. Sie begleitet uns, poetisch gesagt, von der Wiege bis zur Bahre. Warum? Wovor und warum haben wir Angst? Wir haben Angst vor dem Unbekannten, vor dem, was für uns fremd ist, was nicht zu uns gehört bzw. zu dem wir nicht gehören. Je mehr wir uns von dem Rest der Welt trennen, um so mehr Gründe haben wir, uns in unserem engen Ich zu fürchten. Aber wenn wir Umstände, Situationen und Menschen mit etwas verbinden können, das unserem Bewusstsein schon vertraut ist, dann gibt es keine Angst mehr. Die Meditation erweitert unser Bewusstsein. Dies bedeutet, dass es fähig wird, immer mehr und mehr in sich zu fassen, und dadurch können wir uns mit mehr und mehr identifizieren. Meditation ist Konzentration auf Weite. Meditation gibt uns die Fähigkeit, Gleichheit und Einheit zu fühlen. Darum verstärkt und vertieft sich unser Einheitsgefühl durch Meditation. So werden wir die verschiedensten Menschen, Dinge und Situationen des Lebens annehmen und uns zu eigen machen können, und es wird immer weniger Fremdes geben, vor dem wir uns fürchten müssen.

Unser inneres Wesen kommt schrittweise, langsam aber stetig, mehr und mehr zum Vorschein. Dadurch werden unsere Natur, unsere Kapazitäten und Fähigkeiten gewaltlos, ja beinahe unbemerkt transformiert. Die Meditation wirkt nicht wie eine psychotherapeutische Umwandlung. Wir bringen die dunklen Nester unseres Unterbewusstseins nicht bewusst an die Oberfläche. Ich würde eher sagen, dass wir durch die Öffnung zum Oberbewusstsein das göttliche Licht in unser inneres Wesen hereinlassen, was dann automatisch unsere tieferliegenden dunklen Herde erleuchtet. Dieser Prozess läuft automatisch ab, ohne für den Verstand bemerkbar zu sein. In unserem Meditationsleben gehen wir oft durch Phasen, die uns zu schaffen machen. Wir fühlen uns in diesen Phasen nicht gut und sind aufgewühlt. Manchmal fühlen wir uns wahrlich so schlecht, dass wir glauben, uns gar nicht in eine positive Richtung zu entwickeln. Gerade aber diese schweren Perioden, die durch den Widerstand unserer dunklen Teile gegen die Umwandlung verursacht werden, sind der Beweis für das Eindringen des Lichtes. Unsere Schattenseiten wollen sich nicht so leicht ergeben. Aber nach diesen harten Phasen können wir uns auf ein neues, höheres Bewusstsein freuen, da einige unserer niederen Eigenschaften transformiert worden sind. Wir sind von ihnen befreit worden. Das innere Wesen teilt dem Verstand allerdings nicht mit, was gerade aufgearbeitet wird. Daher ist die Mitarbeit des Verstandes auch nicht erforderlich, außer vielleicht, das er die Stille akzeptiert. Aus diesem Grund verläuft die ganze Prozedur nicht so dramatisch schockierend wie etwa bei der erwähnten Psychotherapie, sondern es spielt sich alles unvergleichbar feiner ab.

Wir können einen praktischen Vorteil in der Neugestaltung unserer Eigenschaften entdecken. Unser von göttlichen Eigenschaften erfülltes Herz können wir in der gleichen Weise verwenden wie eine gefüllte Brieftasche. Es lässt sich sogar viel einfacher verwenden, weil wir uns über dessen Einsatz gar nicht bewusst sein müssen. So wie wir mit voller Brieftasche überall gerne willkommen sind und jedermann gerne unser Freund werden will, genauso werden wir mit einem Herzen, das mit göttlichen Reichtümer gefüllt ist, freudig empfangen. Wenn Einfachheit, Demut, Aufrichtigkeit und Liebe die Grundsäulen unseres Wesens und dadurch natürlich auch unseres Verhaltens ausmachen, dann sind wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen erfolgreich und vor allem sicher.
    Beim Zusammentreffen zweier Menschen spielen sich nicht nur hörbare und sichtbare Dinge ab, sondern dabei tauschen die beiden innerlich auch ihre Schwingungen aus. Wenn von dem einem etwas Negatives ausgeht und der andere mit gleicher Münze zurückzahlt, beginnen die Probleme. Dann gibt es keine Übereinstimmung und keine Sympathie und die Dinge lassen sich nicht arrangieren. In so einem Fall können die beiden einander nicht helfen, sie werden einander nur schaden. Was passiert, wenn ein Mensch schlechte Schwingungen aussendet, aber der andere davon völlig unbeeindruckt bleibt, weil er einfach nicht über die entsprechende Härte verfügt? Meistens bemerkt er dann nicht einmal, dass er attackiert wurde. Vor ein paar Jahren ist mir so etwas widerfahren, als ich zusammen mit meiner Frau einen alten Bekannten traf. Wir blieben stehen und plauderten ein bisschen und er stellte verschiedene Fragen betreffend meiner Person und Meditation. Ich bemerkte nachher gegenüber meiner Frau, wie nett der Bekannte war. Meine Frau sah mich überrascht an und konnte einfach nicht glauben, dass ich das ernst meinte, was ich gesagt hatte. Sie fragte mich, ob ich scherze oder ob ich wirklich nicht bemerkt hatte, dass mich der Bekannte verhöhnt hatte. Ich habe es wirklich nicht bemerkt.

Wenn ein Karatemann mit voller Stärke auf einen Tisch schlägt, dann wird der Tisch wahrscheinlich brechen. Aber wenn der Mann an Stelle des Tisches auf ein Wattepaket schlägt, bleiben keine Spuren der Krafteinwirkung. Die Watte ist zu weich um zu brechen und um Widerstand zu leisten. Härte antwortet, das Weiche nicht. Härte tut weh, das Weiche nicht. Der Aggressor braucht einen Partner, der antwortet. Wenn die Antwort ausbleibt, verschwindet die Lust an der Aggression. Das ist natürlich sehr einfach ausgedrückt. Im Leben spielt sich alles viel komplizierter ab, aber im Grunde genommen liegt hier die Wurzel. Wir können im täglichen Leben unzählige Male feststellen, dass ein Mensch, der uns gegenüber negativ eingestellt ist, sich sehr schnell ändern kann, seine Kampflust verliert und uns nicht mehr angreifen wird, wenn wir keine Reaktion auf seine Aktion zeigen. Um Missverständnissen vorzugreifen, möchte ich bemerken, dass es sich hierbei um einen spontanen Prozess handelt, der die Umwandlung der menschlichen Natur begleitet. Diesen Zustand kann man nicht erzwingen, weil unser stolzes Ego immer Recht behalten muss, um sich erfüllt und glücklich zu fühlen. Demut ist kein süßes Brot für das Ego.
    Es ist auch nicht meine Absicht, eine bedingungslose Sanftmütigkeit zu propagieren, da das Leben auf Erden immer noch ein Kampf ist. Das können wir, wie so vieles andere, am besten und am sichersten in uns selbst fühlen. Deswegen sollten wir auch den Kampf um die Sanftmütigkeit in erster Linie in uns selbst führen. Alles andere ergibt sich von selbst.

Denken und Meditation

Der Mensch ist ein mentales Wesen, da sich die zentrale Lebensführung in seinem Verstand abspielt, und aus eben diesem Grund macht sich die Wirkung der Meditation am deutlichsten und spektakulärsten gerade in unserem Verstand bemerkbar. Das hängt damit zusammen, dass Meditation die Kunst des Nicht-Denkens ist, also das absolute Gegenteil von mentaler Aktivität. Man könnte sagen, dass Meditation die Erholung des Denkorgans ist. Diese ist eigentlich ein Erfordernis, dem die Menschen im allgemeinen deshalb noch nicht nachkommen, weil sie dessen Notwendigkeit noch gar nicht erkannt haben. Aber wie wir unseren Körper immer wieder ruhen lassen und nicht den ganzen Tag hindurch ununterbrochen bewegen können, genauso sollten wir unseren Verstand auch immer wieder kontrollieren und sich bewusst erholen lassen. Wir sollten also auch unserem Verstand manchmal erlauben, sich „niederzusetzen".

Meditation ist Gedanken sparen. In unserem Verstand haben wir zwei Teile, einen Beobachter und einen Denker. Jedermann ist fähig, seine Gedanken zu beobachten und ihnen zu folgen. Was meine ich damit? Wir wissen, dass wir den ganzen Tag vom Aufwachen bis zum Einschlafen einem ständigen, fast unkontrollierten Gedankenfluss ausgeliefert sind. Manchmal aber bleiben wir im Gedankenfluss stehen, wir lösen uns von ihm ab. Dann wird in unserem Verstand der beobachtende Teil aktiv und wir fragen uns, wie wir überhaupt zu jenen unmöglichen, verrückten Gedanken kommen konnten. Oder wenn wir in einer Gesellschaft plaudern, will jeder den anderen übertreffen und so sagt jeder, was er denkt, bis jemand fragt, warum reden wir überhaupt über dieses Thema, wie kommen wir dazu. Alle bleiben stumm, aber keiner weiß die Antwort, weil die Gedanken in unkontrollierter und chaotischer Weise auftauchen. Aber der beobachtende Teil unseres Verstandes identifiziert sich nicht mit den Gedanken, er wird von den Gedanken nicht mitgerissen. Dieser Teil des Verstandes leitet uns eigentlich im Labyrinth der Gedanken, aber im normalen, unkontrollierten Verstand ist er sehr schwach. Manchmal wird er wach und versucht an Kraft zu gewinnen, aber der andere Teil, der Denker, die Gedankenfabrik unterdrückt ihn wieder in Sekundenschnelle mit ihren vielfältigen und zahlreichen Produkten. Unsere Gedanken sind ständig in Bewegung, sie zirkulieren in einem unaufhörlichen Kreisel, dann verschwinden sie, um kurze Zeit später wieder aufzublitzen. Dagegen ist der Beobachter in unserem Verstand stabil. Er ist wie eine sehr gut gestützte, mit Seilen fixierte Säule. Wenn wir sie erklimmen, befinden wir uns oberhalb des Gedankennebels. Je stärker unser Verstandesbeobachter ist, um so konzentrierter können wir denken und um so mehr wird der Denkerteil unser Diener.

Wenn wir uns ein bisschen anstrengen, um unsere Gedanken zu analysieren, entdecken wir, dass neunzig Prozent der alltäglichen Gedanken unproduktiv sind. Wenn wir aber einen wirklich unruhigen Verstand nehmen, so liegt diese Zahl bei über neunundneunzig Prozent. Diese Gedankenmenge führt nirgendwo hin, ist unfruchtbar, schafft nichts Bleibendes, verschwindet gleich wieder und wir haben sie meistens Minuten später nicht einmal mehr in Erinnerung. Aber diese Gedankenmenge ist nicht nur unproduktiv, sie ist auch großteils destruktiv, also schädlich, und kostet uns viel Energie. Das sollten wir uns ersparen, weil in dieser Gedankenmenge unsere Zweifel, unsere Unsicherheit, unsere Angst, unser Neid und unsere Eifersucht wurzeln. Wenn ich von Nicht-Denken spreche, meine ich genau die etappenweise Ausschaltung dieser unnötigen Gedankenmenge. Der Beobachter in unserem Verstand kann, wenn er an Stärke gewinnt, die Gedankenfabrik Schritt für Schritt in den Hintergrund drängen. Je mehr Zeit wir als Beobachter verbringen, um so geringer wird der Anteil an überflüssigen Gedanken und dementsprechend höher der Anteil an produktiven Gedanken. Wenn wir unseren spirituellen Fortschritt messen wollen, sollten wir zwischen den Zeitanteilen, die wir als Beobachter beziehungsweise als spontan Denkender an einem Tag verbringen, einen Vergleich anstellen. Bevor ich zu meditieren anfing war ich ein intensiver Denker. Das tat ich bewusst, und ich war sehr stolz darauf, welch blendende Ideen ich mir auszudenken vermochte. Ich genoss es und hätte niemals gedacht, dass ich ohne viel Denken überhaupt ein sinnvolles Leben führen könnte. Ich habe natürlich damals nicht bemerkt, dass ich die gleichen Gedanken, das gleiche Thema immer wieder im Kreis herumgegangen bin, ohne was Neues auszudenken. Ich übertreibe nicht und bin sicher sehr bescheiden, wenn ich behaupte, dass ich heutzutage maximal ein Viertel von dem denke, was mein Verstand früher unkontrolliert im Laufe eines Tages zuwege gebracht hat. Trotzdem, oder besser gesagt, gerade deswegen ist meine Produktivität heute viel größer als früher, und mentale Müdigkeit, mentaler Stress sind bei mir längst in Vergessenheit geraten.
    Wenn wir meditieren sind wir Beobachter im Verstand. In diesem Fall wird das Laufband der Gedankenfabrik verlangsamt bzw. stillgelegt. So lässt die Überproduktion der Fabrik nach. Der Verstand wird stiller. Wenn wir uns mehrmals täglich als Beobachter zurückziehen, werden wir immer wieder den vom Aufwachen bis zum Einschlafen spontan in unserem Verstand ablaufenden inneren Film ausschalten. Langsam aber stetig, fast unbemerkt werden wir fähig, den Beobachter in uns zu trainieren, zu erweitern und mit der Zeit in die Herrscherposition zu bringen. Wenn die Gedankenfabrik jederzeit still gelegt werden kann, wenn der innere Film jederzeit ausgeschaltet werden kann, dann besitzen wir schon einen stillen Verstand. Ein stiller Verstand bedeutet nicht im geringsten, dass wir die Eindrücke der Welt nicht zur Kenntnis nehmen. Wir registrieren viel mehr alles und sind uns der äußeren Welt mit all ihren Umständen bewusst, aber wir reagieren entweder mit großer Besonnenheit oder wir reagieren überhaupt nicht, wenn nicht die Notwendigkeit besteht. Grundsätzlich werden wir nur mehr so handeln, wie es sinnvoll ist. Auf diese Weise erlangen wir dann einen Zustand, in dem wir nie etwas sagen oder tun müssen, was uns später Leid tun würde. Mehr noch, es kommt sogar eine Zeit, in der wir nicht einmal etwas denken müssen, womit wir uns oder anderen schaden würden.

Leben in der Gegenwart

Unsere ständigen, spontan aufblitzenden, auseinander laufenden Gedanken spalten uns. So spaltet sich unser Bewusstsein dann in einer Weise, dass sich seine Teile auf vergangene oder vorgestellte zukünftige Vorfälle, Erscheinungen, Orte oder Personen richtet. Dieser Prozess läuft ununterbrochen ab, unsere Aufmerksamkeit gleitet ständig von einer Sache zur nächsten. Man könnte sagen, dass wir eigentlich in uns selbst nie zu Hause sind. Wir leben nicht in der Gegenwart, im Jetzt. Wir lassen uns vielmehr an die Vergangenheit binden, wo wir vergebene Chancen bereuen, oder wir träumen von noch nicht existierenden zukünftigen Chancen. Die Gegenwart wird von dem nicht gezähmten Verstand, dem freien Lauf gelassen wird, als pure Langeweile empfunden. Als äußerst schmale Spanne, in die er sich nicht hineinpressen kann. Das ist auch eine der Ursachen dafür, warum der Mensch nicht Schlange stehen kann, nicht warten kann, ohne ungeduldig zu werden. Die Langeweile ist eigentlich ein Symptom des unruhigen Verstandes.
    Meditation ist hingegen das Erleben der Gegenwart. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit im „Jetzt" und im „Hier" zu leben, und zwar indem wir zu unseren Verstandesbeobachter aktivieren, sodass sich die Gedanken verlangsamen. Die Wahrnehmung der Gegenwart kann nämlich nur zwischen den Gedanken stattfinden. Bei einem unkontrollierten Verstand laufen die Gedanken mit einer blitzartigen Geschwindigkeit. Es gibt praktisch keinen Spalt zwischen ihnen und genau dieser Spalt wäre der Eingang zur Gegenwart oder die Gegenwart selbst. Je stiller der Verstand wird, umso breiter werden die Spalten zwischen den Gedanken, und umso mehr ist der Mensch fähig, die Gegenwart, seine Existenz und die Existenz der Welt zu erleben.

Unsere immer zur Verfügung stehende göttliche Führung können wir nur durch das ständige, bewusste Erleben der Gegenwart wahrnehmen. Das Erleben der Gegenwart kann sich am Anfang nur auf die stille Meditation beschränken. Später aber sollte es auf den ganzen Tag ausgedehnt werden. Das wird möglich, wenn wir lernen, auch mit unserem Herzen zu sehen. Ich meine damit, dass wir dann die mit unseren Augen wahrgenommene Gegenwart nicht nur mit dem Verstand aufarbeiten, sondern durch die Öffnung unseres Herzens mit unserem ganzen Wesen erleben bzw. fühlen. So brauchen wir nicht mehr nur mit unserem Verstand leben, sondern können jeden Augenblick der Gegenwart mit unserer inneren Stille auffangen. Dies wird dann geschehen, wenn sich der Verstand ausdehnt bzw. das Herz in den Verstand eindringt – so wie ich es schon im Kapitel „Das spirituelle Herz" beschrieben habe.

Wenn wir uns für eine längere Zeitdauer mit der Gegenwart verbinden, dann wird schon das Beobachten der banalsten Dinge ein Erlebnis. Nehmen wir zum Beispiel die Natur: Es wird ein wahres Erlebnis, einen Baum, eine Blume, ein Tier, die Erde usw. anzusehen. Es ist in der Tat sogar ein Erlebnis, einfach zu existieren. Dann gibt es keine Langeweile mehr. Nichts ist langweilig. Das Leben in der Gegenwart eröffnet unvermeidlich den Springbrunnen der Freude in unserem Herzen. Das ist deshalb so, weil wir uns unserer Existenz bewusst werden, und diese bloße Existenz in ihrer Essenz nichts Anderes als ein Strom der Freude ist.

Meine Umgebung und Meditation

Man braucht die Tatsache nicht zu leugnen oder zu diskutieren, dass uns Meditation aus unserem Umfeld herauslöst. Das hängt damit zusammen, dass wir uns ändern. Wenn wir uns nach innen öffnen, werden wir stiller. Unser Denken und damit auch unser Benehmen wird kontrollierter. Wir werden nicht mehr so heftig reagieren, da wir nicht mehr so stark in unserem vitalen Wesensteil, sondern mehr in unserem Herzen leben. Das bringt Besonnenheit und Ausgeglichenheit mit sich. Unser Leben wird inhaltlich tiefer, da wir nicht nur ein äußeres, oberflächliches Leben führen, in welchem man sich immer nur mit anderen beschäftigt, sich nur um andere kümmert oder andere hetzt. Jetzt haben wir die Fähigkeit, auch ein inneres Leben zu führen. Das bedeutet, dass wir uns auch in der Einsamkeit nicht verlieren. Wir werden nicht depressiv, wenn wir manchmal allein sein müssen oder sinnlos warten müssen.

Wenn wir als Alternative das innere Leben zu kultivieren beginnen und zu meditieren anfangen, ist es nicht so sehr unser Verstand, sondern häufiger unsere Umgebung, die uns den Weg versperren will. Die Familienmitglieder und Freunde haben das Gefühl, sie werden uns verlieren, wenn wir uns kurz zurückziehen, um zu meditieren, oder wenn wir kein Bier mehr trinken und kein Fleisch mehr essen. Sie werden uns ihre eigene Furcht vor der Spiritualität injizieren. Durch die Erweiterung des Bewusstseins werden wir universeller, weshalb wir uns an nationale, religiöse, rassenabhängige oder sonstige einschränkende Denkschemata weniger gebunden fühlen. Wir lösen uns von der traditionellen Lebenseinstellung, und deshalb machen sich unsere Angehörigen, die uns als ihr Eigentum betrachten, Sorgen um uns. Sie verstehen nicht oder können kaum verstehen, dass wir mit der Bewusstseinserweiterung zwar aus dem Traditionellen hinauswachsen, es aber nicht wegwerfen. Wir leugnen nicht unsere Herkunft. Alles bleibt in uns, aber ohne uns einzuengen, das heißt, wir sind mehr offen für alles, auch für Dinge, die nicht zu uns gehören oder zu denen wir nicht gehören. Mit unserem erweiterten, freieren Bewusstsein können wir für unsere Gesellschaft, für die Menschheit mehr Positives bewirken. Durch die Herauslösung aus der Umgebung werden wir sicherlich keine Übermenschen, und dieser Vorgang sollte niemanden zu Überheblichkeitsgefühlen verführen. Das ist nämlich die Falltür zur Bodenlosigkeit. Wir denken nur einfach anders, weil wir auch in unseren tieferen Schichten leben können. Das ist alles. Dazu wäre jeder auf der Erde lebende Mensch fähig, wenn er nur wollte.
    Die Tatsache, dass ich zu meditieren anfing und Schüler eines Yogameisters geworden bin, hat in meiner Familie und Umgebung etliche nicht nur positive Reaktionen ausgelöst. Das halte ich für ganz normal, weil die Menschen sich der Gottesidee nur aus der religiösen Betrachtungsweise her nähern können oder wollen. Die spirituelle Lebensart aber sieht Gott im Leben und das Leben in Gott. Das Leben ist, so wie es ist, mit allem, was dazugehört, mit Gott untrennbar verbunden, und so ist Gott kein Objekt der Furcht oder auch nicht nur ein Gebetsobjekt, sondern ein Ziel, in das wir hineinwachsen wollen. Diese Erkenntnis ist aber für die nur mental erlebte Religiosität unverdaulich.
 
Meine Mutter hatte meinetwegen sehr viel Kummer. Es könne doch nicht richtig sein, dass ich mein Zimmer mit den Fotos von einem Mann schmücke und es sei auch schrecklich, dass ich meine Religion verlasse, behauptete sie immer wieder, wenn auch nicht in meiner Anwesenheit. Sie weinte immer wieder, während sie erzählte, dass ich auch als Kind meinen Kopf in den Wolken hatte und sie immer Angst haben musste, dass ich im Leben nichts erreichen würde. Letzteres ist eine Befürchtung, die für viele Eltern typisch ist. So etwas haben schon alle einmal erlebt, die Kinder haben. Später dann, nach einigen Jahren, als meine Mutter zu Weihnachten bei uns war, sagte sie, dass sie bei uns so viel Frieden spürt und sich in meiner Anwesenheit so glücklich fühlt, wie sie es nur vor vielen Jahren als Zwanzigjährige erfahren hatte. Sie wusste auch, dass dies von meiner Meditation komme und fragte gleich, ob man etwas tun könne, um auch meinen Bruder zur Meditation zu bewegen. Ich musste ihr aber mitteilen, dies käme leider gar nicht in Frage. Man kann mit Menschen wohl sehr vieles machen lassen, aber meditieren lassen kann man niemanden.
    Mein Vater nahm es nicht so tragisch. Er betrachtete alles nur aus der Sicht des Fleischessens. Einmal beobachtete er Guru beim Gewichtheben und reagierte darauf sehr empört. Er behauptete, der Meister würde uns hinters Licht führen und ich solle nicht mehr auf ihn hören. Ich solle endlich wieder Fleisch essen, sonst würde ich sterben. Es sei unvorstellbar, meinte er, dass jemand so große Gewichte heben könne, ohne Fleisch zu essen. Auf das Video zeigend stellte er fest, es sei unmöglich, mit fleischloser Kost einen so starken Hals wie ein Stier zu bekommen. Die Kraft Gurus sei der Beweis, dass er uns irreführe. Kein Fleisch – keine Kraft, ist die Devise meines Vaters. Voller Mitleid zeigte er auf mich, wie dünn ich geworden sei. Damals hatte ich schon durch das regelmäßige Laufen meinen Bierbauch verloren.

Meine Freunde haben alles mit stiller Verblüffung beobachtet. Sie haben eigentlich nicht verstanden, um was es geht. Das wundert mich gar nicht, da ich es damals auch nicht verstand. Ein Freund hat aber ganz deutlich seine Missbilligung über meinen Guru und meine Spiritualität zum Ausdruck gebracht. Als er dann einmal erfuhr, dass ich zu Silvester meditieren ging und meine Frau mit den Kindern alleine ließ, kündigte er mir die Freundschaft. Nach vielen Jahren trafen wir uns wieder. Er machte sich über mein spirituelles Leben und meine vegetarische Ernährung immer wieder lustig, aber gleichzeitig fühlte er sich mit mir wieder wohl. Dann hat sich hrausgestellt, dass er schon lange geschieden ist, obwohl er zu Silvester nie meditieren ging. Dem Armen haben seine familiären Sorgen viele Kummer bereitet. Eine unserer Freundinnen hätte alles akzeptieren können, nur nicht das Aufstehen am frühen Morgen. Sie sagte immer zu mir: „Mein Lieber, schlaf doch ruhig bis Mittag, genieße doch das Leben." Jeder bleibt dort hängen, wo es ihm gerade weh tut. Ein Mensch ist nicht wie der andere – sagt sehr gescheit der Bauer.

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