Innerer Frieden und äußerer Frieden

Friede ist das Ziel meines neuen Lebens, denn wo Friede ist, ist Gott, den man sucht. Solange man nicht fähig ist, in unerschütterlichem Frieden zu verbleiben – geschehe was wolle -, kann man sich nicht dauerhaft mit dem inneren Wesen verbinden. Auch früher schon begeisterte ich mich von Natur aus für den Frieden, und wann immer ich mit Aggression konfrontiert wurde, ging es mir immer schlecht. In einer früheren Periode meines Lebens hielt ich mich für einen Pazifisten. Interessanter- und überraschenderweise bin ich heute trotz der regelmäßigen Meditation und des in mir gewachsenen, begrenzten Friedens kein Pazifist mehr. Was das äußere Leben betrifft, so halte ich nicht mehr den bedingungslosen Frieden in allen Fällen für die einzig richtige Lösung. Ich bin auch der Meinung, dass wir friedensliebende Menschen nicht tatenlos zusehen sollen, wenn zum Beispiel Diktatoren ganze Völker ausrotten.

Mein Meister lebt und arbeitet für den Frieden. Sri Chinmoy träumt von der Etablierung bleibenden Friedens in der Welt, er ist ein Friedensphilosoph. In seiner Friedensphilosophie spielt das Zusammenspiel zwischen dem inneren und äußeren Frieden eine wesentliche Rolle. Das erste Ziel eines jeden Individuums ist der Erwerb inneren Friedens. Wenn jemand wahren inneren Frieden besitzt, dann ist Frieden um ihn herum, in der Familie, auf dem Arbeitsplatz und unter seinen Freunden. Dann wird man in der hektischen, lärmenden Welt zu einer Insel des Friedens. Wo immer man ist, dort ist Frieden. Wenn es in unserem Haus mehrere friedenserfüllte Menschen und in unserer Stadt ein paar tausend solcher Leute gibt, dehnt sich der Frieden immer mehr aus. Wenn die Mehrheit friedlich ist, dann wird auch die Stadt, das Land friedlich sein, weil auch die Führungspersönlichkeiten friedlich sein werden. Frieden wird ein dauerhaftes, ewiges Fundament haben. Das ist ein richtiger, tiefgreifender Frieden, man kann sagen, dass dieser Frieden eine solide Basis hat. Dieser Frieden kann nicht erschüttert werden, wie der mit den schönsten Worten verfasste Vertrag, der jederzeit gebrochen werden kann. Wahrer Frieden ist im Herzen des Individuums verankert.

Unser wahrer, innerer Frieden erfüllt sich, wenn man keine Erwartungen mehr hegt. Solange wir nur in unserem berechnenden Verstand leben, handeln wir immer oder fast immer aus Erwartung heraus. Wenn man einmal in sich geht, dann wird man erkennen, dass beginnend mit der dem Nachbar geleisteten Hilfe bis hin zur Erziehung der Kinder unbewusst Erwartungen verknüpft sind. Aber die Erwartung wird in der Regel von einer Enttäuschung gefolgt, da sich Erwartungen selten erfüllen. Entweder sind die Erwartungen zu hoch oder deren Erfüllung ist zu unbefriedigend, selten ist es jedenfalls harmonisch. Der Partner ist daran meistens nicht schuld, da er anders ist oder die Sache anders sieht. Er kann auch gutmütig sein, aber er fühlt nicht das, was wir fühlen. Zum Beispiel vergesse ich immer, wenn ich jemandem geholfen habe. Das wäre kein Problem, aber offen gestanden vergesse ich auch, wer mir geholfen hat. So enttäusche ich – ohne dies zu beabsichtigen – berechnende Menschen. In gewisser Hinsicht leiden wir alle unter den Folgen von Erwartungen. Deshalb ist die Erwartung der Totengräber unseres inneren Friedens.

Zum inneren Frieden gelangt man nur durch eine bedingungslose, auf jedes Lebewesen ausgedehnte Liebe. Die Liebe wird von unserem Verstand zerteilt und zerstückelt. Man liebt die eigenen Kinder auf eine völlig andere Weise als die Kinder fremder Menschen. Auch die eigene Stadt, das eigene Land und das eigene Volk liebt man auf eine bestimmte Weise, und je ferner etwas liegt, desto gleichgültiger steht man dem gegenüber. Die geteilte Liebe schließt die Angehörigen ein, schließt aber gleichzeitig diejenigen aus, die nicht zu uns gehören. Das wäre kein Problem, wenn man nicht in der Dualität, also in den Gegensätzen leben würde. Aber hier finden wir den Gegensatz der Liebe: den Hass. Man braucht dafür gar nicht erst die Geschichte der Menschheit zu studieren, sondern man sieht auch heute noch, wie leicht es passiert, dass sich die Gleichgültigkeit zum Hass gegenüber jenen wandelt, die sich außerhalb der Grenzen unserer Liebe befinden. Das betrifft in der Regel Menschen, die zu einer anderen Rasse bzw. einer anderen Nation gehören, eine andere Religion haben usw.

Es war für mich eine sehr interessante Erfahrung, als ich das Verebben des Hasses als Ausdehnung der Liebe erlebte. Als ich zum ersten Mal las, dass man Hass völlig überwinden könne, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass dies auch mir gelingen könnte, und wie immer gebrauchte ich auch hier das Wort „unmöglich“. Dem damaligen Niveau meines Bewusstseins entsprechend war es wirklich unvorstellbar, meinen Hass gegenüber dem Kommunismus und Ceaucescu zu überwinden. Ich wäre bereit gewesen, eine Waffe gegen sie zu erheben. Ich meditierte bereits seit zwei Jahren, als 1989 die rumänische Revolution ausbrach, was ich im Radio mit großer Aufregung verfolgte. Mehr noch – ich nahm daran auch irgendwie teil. Derart enorme, innere psychische Erschütterungen und Energieeruptionen habe ich früher nie in meinem Inneren gespürt. Als schließlich das Ehepaar Ceaucescu festgenommen und hingerichtet wurde, war ich daran innerlich nicht mehr beteiligt. Ich spürte weder Genugtuung noch Freude, nur tiefes Mitleid und Leid. Mein Verstand stand einfach still, ich verstand das nicht. Das Unmögliche, so entdeckte ich, ist nichts Anderes als der Ausdruck unserer Beharrung auf unserem begrenzten Niveau des Bewusstseins. Ich habe leider oft versäumt, das begrenzte Niveau meines Bewusstseins nicht zu benutzen, immer wieder fiel ich in diese Falle und lernte nur sehr langsam daraus. Es ist nicht leicht, über seinen Schatten zu springen.

Ich habe Kinder immer schon geliebt. Natürlich erreichte diese Liebe ihren Höhepunkt bei meinen eigenen Kindern. Wahrscheinlich geht das allen Menschen so. Wenn ich meine Kinder anschaute oder meine Hand auf ihre Köpfe legte, durchströmte mein ganzes Wesen das wunderbare Gefühl der Liebe. Ich erinnere mich nicht, in welchem Jahr und nach wie vielen Jahren der Meditation es geschah, als ich in der Praxis einen kleinen Schlingel, der sich während der Behandlung als richtiger Held entpuppte, streichelte. Ich konnte meine Hand wie bei meinen Söhnen nicht von seinem Kopf nehmen. Das war ein sehr interessantes Gefühl und ich ließ zu, dass mich dieses Gefühl bis in die letzte Zelle erfüllte. Später beging ich den Fehler, wie schon öfter zuvor, dass ich mein Erlebnis weitererzählte, sogar meiner eigenen Mutter. Sie war verzweifelt und überzeugt, dass mit mir etwas nicht in Ordnung sei, da ich meine eigenen Kinder nicht adäquat lieben könne, wenn ich sie nur so liebe wie fremde Kinder. Ich konnte ihr nicht erklären, dass die Liebe, die ich meiner Familie schenkte, auch auf andere ausgedehnt werden kann, und nicht die beschränkte Liebe, die man üblicherweise für Fremde aufbringt, in die eigene Familie eingetreten war. Meine Mutter konnte das nicht verstehen und ermahnte mich nur, bei dem, was ich mache, sehr aufzupassen.

Unser innerer Frieden kann sich festigen, wenn man die Tatsache akzeptiert, dass man nicht unersetzlich ist. Obwohl man früh erkennt, dass die Welt auch vor uns bereits existiert hat und man sehen kann, dass sie auch nach dem Weggehen unserer Freunde weiter existieren wird. Trotzdem glauben wir, unsere Familienmitglieder, unsere Freunde, unsere Kollegen usw. werden ohne uns nicht leben können, wenn wir einmal hinter den Vorhang der Ewigkeit treten, um uns auf den nächsten Akt vorzubereiten. Denn wir sind es, die sie leiten – so glauben wir wenigstens. „Ihr werdet schon sehen, wenn ich einmal nicht mehr existiere. Wie wird da euer Leben ausschauen!“, das sagt man oft. Wie kann das sein, man gewöhnt sich daran, man vergisst, dass es einmal anders war. Man stellt sich vor, dass man von allen gebraucht wird. Egal ob man danach gefragt wurde, man drängt allen Mitmenschen seine guten, nützlichen und unersetzlichen Ratschläge auf. Daraus resultiert nur Enttäuschung, da unsere guten Ratschläge in keiner Weise honoriert werden, sondern vielmehr meist zurückgewiesen werden. Jeder Mensch hat das Recht, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Dieses Recht muss man in erster Linie Kindern gewähren. Auch ich lernte sehr langsam, meinen Mund zu halten. Meinen älteren Sohn konnte ich noch erziehen, der jüngere hat mich erzogen. So ließ ich ihn selbst erwachsen werden. Interessanterweise ist bei beiden das gleiche Ergebnis herausgekommen, nur wurde im zweiten Fall das Ziel friedlicher erreicht.
 
Innerer Frieden basiert auf Nicht-Gebundenheit. Das bedeutet, dass ich an nichts und niemandem hänge, also völlig frei bin. Damit meine ich nicht, dass ich meine Kinder nicht liebe oder meine Familie ignoriere, da ich an ihnen nicht mehr hänge. Ich meine vielmehr, dass ich durch mein Verhältnis zu ihnen keine Enttäuschungen mehr erleben werde. Ich kümmere mich sehr wohl um meine Familie, um die Leute, aber das Ergebnis meiner Bemühungen lege ich zu Gottes Füße. Wenn meine Hilfe keine positive Wirkung zeigt, oder abgelehnt wird, bin ich nicht frustriert, weil meine Mitmenschen, genau so wie ich, durch ihre eigene, von Gott bestimmten Erfahrungen, ihre innere Stärke gewinnen müssen.

Das Sri Chinmoy Marathon Team, unser internationaler Laufverein, organisiert alle zwei Jahre weltweite Friedensläufe. Das sind keine Wettläufe, es handelt sich dabei um eine dynamische Friedenskundgebung. Zum ersten Mal nahm ich 1989 am Weltfriedenslauf teil. Damals konnte ich mich irgendwie noch nicht ganz damit identifizieren. Ab 1991 war ich aber immer dabei. Es ist ein wunderbares Gefühl, mit der Fackel von einem Ort zum anderen zu laufen. Du umarmst das ganze Land und überflutest es mit deiner Begeisterung, Freude und deinem Frieden. Ich lernte Bürgermeister zahlreicher Orte kennen und hatte immer das Gefühl, dass ich sie seit langem kenne. Sie waren wirklich nette Menschen. Zu meinen Kameraden sagte ich immer, wenn es stimmt, dass man ein Volk an seinen Leitern erkennt, dann ist im Land wirklich alles in Ordnung. Die Armee, die Polizei und die Firma Ikarus, die uns die Busse sponserte, haben uns sehr viel geholfen. Wenn man sich den anderen mit Frieden nähert, stellt man fest, dass andere auch so sind wie wir. Versuchen wir das zu erleben. Wir können wirklich nicht Frieden leben, bis wir uns nicht mit Frieden den anderen nähern. Sonst bleibt der Frieden nur ein irrealer Traum. Deshalb sollen wir nicht darauf warten, dass andere zu uns kommen, sondern wir sollen die Initiative ergreifen und den ersten Schritt tun. Mit Stolz kann man keinen Frieden gründen.
    Während des Friedenlaufs widmeten wir viele Orte und Einrichtungen dem Frieden. Diese Stätten nennen wir dann Friedensblüten. Folgende Rede hielt ich in Györ, am Tag des Friedens, anlässlich der Einweihung eines Kulturhauses der Jugend als „Sri Chinmoy Peace Blossom“.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Zuhörer!

Heute ist der Tag des Friedens. Wir widmen dieses Haus als Friedenshaus im Rahmen des Sri Chinmoy Friedensblüten-Projektes. Für Sri Chinmoy sind der äußere und der innere Frieden eine untrennbare Einheit. Ich glaube, wir müssen den Begriff des Friedens erweitern, neu bewerten, wir müssen lernen, auch innerlich in Frieden zu leben.  

Was bedeutet für Sie Frieden? Dass die Waffen schweigen oder keine Bomben explodieren? Dass keine Menschen getötet werden? Das ist Frieden, Frieden in „äußerem“ Sinne. Aber ist denn für uns Individuen schon die bloße Abwesenheit des Krieges Frieden? Ist damit die Sache erledigt und wir leben in Frieden?  Heute gedenken wir des Tages, an dem der massenhafte Menschenmord beendet wurde. Wir sprechen darüber, dass es leider so etwas gab, und wie schön es ist, dass es jetzt bei uns so etwas nicht gibt. Wir sprechen darüber, aber ist damit alles in Ordnung? Es hat doch nichts mit mir zu tun, ob es Krieg gibt oder nicht. Das betrifft doch die Machthaber. Ich als kleiner Mensch kann für den Frieden nichts tun – das denken viele. Stimmt das wirklich?

Lebe ich in Frieden, wenn es keinen Krieg gibt? Ist das mein Frieden, wenn sich meine Eltern, meine Freunde, meine Lehrer nicht streiten, keinen Prozess führen, einander nicht beschimpfen? Das ist der äußere Frieden im engeren Sinne. Habe ich das schon,  sehe ich das in meiner Umgebung? Leider nur zeitweilig.

Aber wo beginnt für mich der Friede? Wo beginnt der persönliche Friede? Er beginnt im Inneren, in mir selbst, in meinen Gefühlen. Wenn ich beleidigt oder jemandem böse bin, dann ist es mit meinem Frieden aus. Vielleicht lache ich äußerlich oder verstecke ich meine Gefühle, aber innerlich führe ich einen Krieg. Herrscht in mir Harmonie? Nein. Wenn ich die Einstellung der Welt als ungerecht empfinde, wenn ich neidisch bin oder wenn ich aufgrund von Angst Magenschmerzen bekomme oder andere negative Gefühle hege, dann verfüge ich über keine Harmonie, dann habe ich keinen Frieden und bin natürlich auch nicht glücklich, denn das menschliche Glück basiert auf der Harmonie unserer Gefühle. Frieden und Glück hängen zusammen. Wenn der innere Friede weg ist, ist auch das Glück weg.

Man könnte darauf entgegnen, dass dies wohl zutreffe, aber ich bin ja nicht schuld daran. Die Welt, meine Umgebung, die Menschen in meinem Umfeld sind schlimm und sie sind schuld. Aber das stimmt nicht ganz, da wir durchaus auch nur aufgrund eines Irrtums, also ohne Grund, nur als Ergebnis negativen Denkens unruhig, nervös, neidisch, eifersüchtig usw. werden. Oder vielleicht zweifeln wir an den Worten eines Menschen, weil wir einfach jemanden aufgrund unserer Unsicherheit oder unseres Gefühls, dass wir allein gelassen werden, verdächtigen.

Woran liegt es, warum ist es so, wo beginnt das Problem? Das Problem beginnt immer in unserem Kopf. Unser Verstand ist der Unheilstifter. In unserem Verstand sehen wir uns von Problemen der anderen getrennt bzw. glauben, dass andere von unseren Problemen getrennt sind. Unsere Sorgen sind im allgemeinen nicht so groß, wie wir glauben. Wie können wir dieses scheinbar unlösbare Problem lösen? Sehr einfach. Wir müssen unserem Herzen viel mehr Aufmerksamkeit schenken und öfter im Einklang mit unserem Herzen handeln. Wenn wir unsere inneren Gefühle akzeptieren, die uns glücklich machen, und entsprechend diesen Gefühlen handeln, wird in uns und auch in unserer Umgebung Frieden herrschen. Wir müssen den Leitsatz „Aug` um Auge, Zahn um Zahn“ aufgeben. Wenn wir diesem Leitsatz entsprechend leben, werden wir vielleicht recht haben. Aber es ist sicher, dass wir so nicht glücklich werden können. Es stellt sich die Frage: Was wollen wir? Wollen wir recht haben oder wollen wir Frieden haben und glücklich sein? Die beiden Dinge gehen viel seltener Hand in Hand, als man denken würde. Zweifellos sollte man dem Glücklichsein den Vorzug geben. Überlassen wir das Urteilen den anderen oder den höheren Instanzen, Gott, der Natur oder wem immer Sie wollen. Geben wir doch einfach das Prinzip des Rechthabenmüssens zugunsten des Prinzips des Herzens-Glückes auf. Lassen wir es doch zu, dass unsere Taten durch die Frage „Was macht mich wirklich glücklich?” gelenkt werden.

Und hier möchte ich noch einmal betonen: Wenn wir uns ändern und beginnen, der Stimme unseres Herzens zu folgen, dann ist die Frage des Friedens bereits eine persönliche Frage und dann sehen wir, dass der Friede im Herzen des Individuums beginnt und sich von dort ausdehnt. Wenn wir in der Folge friedlich werden, dann werden auch die Reaktionen unserer Mitmenschen friedlicher sein. Sobald wir friedlich sind, werden wir zu einer Quelle des Friedens in unserem Umfeld. Und so werden wir in einer friedlichen Familie, in einer friedlichen Arbeitsgemeinschaft und in einer friedlichen Stadt leben.
    Wenn du in deinem Herzen lebst, kannst du die Menschen, die anders als du leben, viel leichter akzeptieren, weil die Toleranz in deinem Herzen viel größer und das Urteil viel milder ist. In deinem Verstand beurteilst und verurteilst du die Menschen sofort. Im Herzen spürst du hingegen Anteilnahme, da in deinem Herzen nicht das Gefühl der Trennung, sondern das Gefühl des Einsseins herrscht. Die Einheit ist die Quelle des Friedens. Schauen wir uns einmal Europa an, wo vor fünfzig Jahren Menschen massenhaft abgeschlachtet wurden. Heute ist die Devise „Einheit“. Im Westen baute man die Grenzen der früheren Todfeinde ab und die Länder vereinigten sich. Im Osten schmolz der eiserne Vorhang des Kommunismus wie Eis in der Sonne. Die Einheit siegt und wird siegen. Ungarn wird in der nahen Zukunft im einheitlichen Europa aufgehen. Wir müssen dieser Entwicklung als Individuen folgen, diesen inneren Transformationsprozess erleben. Wenn wir Menschen wegen ihrer Nationalität oder Religion nicht akzeptieren können, oder wenn wir unseren Nachbarn verurteilen, weil er anders lebt und denkt als wir, verhindern wir diesen wunderbaren Prozess, den Anfang der Epoche der Einheit. Dann sind wir nicht friedliebend, dann stehen wir nicht auf der positiven Seite. Friede beginnt nicht jenseits der Landesgrenzen, nicht beim Nachbarn, sondern dann, wenn man zum Beispiel aufhört, den Nachbarn wegen seines neuen Autos zu beneiden usw..

Man muss den Frieden, die Toleranz in sich selbst spüren. Für unseren Frieden sind wir selbst verantwortlich. Wir müssen aufhören, ständig die anderen vervollkommnen zu wollen. Wir müssen uns selbst ändern. Bin ich in der Lage, einen Kriegshetzer zu verändern? Nein, das ist unmöglich. Deshalb beschuldige die Welt nicht! Verbessere die Welt! Wie? Verbessere dich selbst jede Minute. Ich bin jedenfalls fähig, mich selbst zu ändern und zum Herz-Menschen zu werden und dann bin zumindest ich friedlich. Dann kann ich mich vor die Welt hinstellen und sagen: schaut mich an, ich garantiere, dass es heute einen friedliebenden Menschen mehr auf der Erde gibt und so ist die Welt besser geworden.

Mach einen Schritt für den Frieden! Mach du den ersten Schritt! Das ist die Botschaft unseres Friedenslaufes. Warte nicht darauf, dass sich dein Kollege mit dir versöhnt. Versöhn dich mit ihm noch vor dem Sonnenuntergang! Hört auf eure Herzen, dann werdet ihr nur Gutes erleben und so könnt ihr glücklich sein.
    Wir brauchen vor dem Krieg kein Respekt zu haben, wir müssen ihn vielmehr zurückweisen. Ein großer Teil der Menschen ehrt den Begriff des Krieges und  hält den Krieg noch immer für unvermeidlich. Natürlich spielt dabei unsere Angst vor dem Krieg auch eine Rolle. Wir müssen die Tatsache eingestehen und akzeptieren, dass unsere Kriegshelden keinen Krieg wollten und auch keine Helden sein wollten. Wer will ein Kriegsheld werden? Die Armen sind in erster Linie Opfer und keine Helden. Suchen wir doch lieber die Helden des Friedens. Sprechen wir über sie, beschäftigen wir uns mit ihnen. Hören wir auf, die Kriege zu nummerieren. Erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg… Was folgt dann? Natürlich der dritte. Wir müssen den Mut haben zu sagen: „der letzte Weltkrieg“. Was folgt dann? Der ewige Frieden. Das ist mein Vorschlag für die Führer des Landes am Friedenstag: Streichen wir den zweiten Weltkrieg aus unseren Lehrbüchern und verbannen wir ihn von unseren Denkmälern. Das war der letzte Krieg und so verbleibt in unserem Bewusstsein nicht einmal Platz für die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges. Auf diese Weise können wir ein Beispiel setzen und andere dazu ermuntern, unserem Beispiel zu folgen.

Wer will den Krieg von uns? Niemand. Unsere Offiziere am wenigsten. Die ungarische Armee unterstützt unseren Friedenslauf mit beispielloser Begeisterung. Ich lernte viele aufrichtig friedliebende Menschen bei der Armee kennen, die ihre Aufgabe darin sehen, Kriegshetzer zum Schweigen zu bringen. Wenn niemand von uns Krieg will, müssen wir auch die geringste Bereitschaft zum Krieg aus unserem Kopf streichen. Wir dürfen diesen Begriff nicht hegen, pflegen und verehren.
    Wir müssen uns ändern. Beginnen wir damit hier und jetzt. Schauen wir uns einmal an, was wir heute Gutes und Schlechtes getan haben. Welche Taten waren für die Entstehung von Frieden förderlich, welche hinderlich. Morgen sollten wir versuchen, die Waage in die positive Richtung zu kippen. Ich muss meine eigene Welt besser machen, weil viele kleine Welten die ganze große Welt ausmachen. Wie der Ozean ohne die einzelnen Tropfen nicht existiert, so existiert die Menschheit nicht ohne die einzelnen Menschen, und wir alle haben als Menschen viel mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze. Wir müssen unsere Philosophie ändern und die uns verbindenden Dinge in den Mittelpunkt stellen.
    Erlebe die Einheit! Höre auf dein Herz! Geh in dein Herz! Du wirst sehen, du wirst sofort Erfolg haben.

Danke.

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